Wohnmobile über 3,5 Tonnen – Viel Platz, viele Vorteile

Wohnmobile über 3,5 Tonnen – Viel Platz, viele Vorteile

Keine Agst vor großen Wohnmobilen! Es gibt viele gute Gründe für Wohnmobile über 3,5 Tonnen. Welche das genau sind, steht im Bericht. Ich schreibe aus persönlicher Erfahrung.

Auch 2019 boomt der Wohnmobilmarkt munter weiter. Jüngst wurde im Reisemobil-Magazin „Promobil“ eine Umfrage des Online-Fahrzeugmarkts mobile.de veröffentlicht. Danach träumen 94 Prozent der über 60-Jährigen von einem eigenen Wohnmobil. Geht man davon aus, dass knapp 30 Prozent der Gesamtbevölkerung in Deutschland 60 Jahre oder älter ist, bleibt, was die zukünftigen Zulassungszahlen betrifft, noch viel Luft nach oben! Zumal auch viele junge Einsteiger das Campen mit dem Wohnmobil für sich entdeckt haben. Der Wunsch nach Freiheit, Ungebundenheit und Selbstbestimmung beim Reisen ist ein starker Motor, der die Branche vorwärtskatapultiert.

Alltagstaugliche Kastenwagen

Schon auf dem Caravan Salon 2018 in Düsseldorf kündigte sich ein Trend an, der sich auf der CMT 2019 in Stuttgart bestätigte: Viele namhafte Hersteller setzen bei den neuen Fahrzeugen auf klein, kompakt, schlank und wendig. Gerade dem Kastenwagensegment werden satte Zuwächse beschert. Kompakte Kastenwagen mit Einzelbetten sind momentan der „Käuferliebling“ schlechthin.

Pick up the dream
Pick up the dream – CV2018

Natürlich sind kleine und kompakte Mobile bis 3,5 Tonnen Gesamtgewicht praktisch. Sie benötigen nicht so viel Platz beim Wenden, Rangieren und Parken und sind teilweise auch als Alltagsfahrzeug tauglich. Auf engen Straßen oder unübersichtlichen Tunnelstrecken gerade in Südeuropa bekommt man beim Fahren weniger schwitzige Hände. Stellplätze mit enger Zufahrt können problemlos angefahren werden. Zudem können die Kleinen und Kompakten mit dem normalen PKW-Führerschein, also Führerscheinklasse B gefahren werden. Kein Wunder also, dass etwa 85 Prozent aller zugelassenen Wohnmobile der 3,5 Tonnen Klasse zuzuordnen sind. Leichtgewichte haben, was die Zulassungszahlen betrifft, die Nase weit vorn.

Mit einem Wohnmobil über 3,5 Tonnen entscheiden wir uns gegen den Trend

Dennoch haben wir uns im August 2018 ganz bewusst für ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen entschieden. Nicht, weil wir absichtlich gegen den (Reisemobil-) Strom schwimmen möchten. Oder weil wir mit einem Dickschiff auffallen oder protzen wollen. Nein, diese Gründe lagen und liegen uns fern. Nach einigen Messebesuchen, lebhaften Diskussionen mit der Abwägung von Pro und Contra sowie dem Lauschen auf unser Camperbauchgefühl haben wir uns bewusst für einen 7,2 Tonnen Reiseschiff entschieden.

Wohnmobile über 3,5 Tonnen
Auf dem Caravan Salon 2018

Wohnmobile über 3,5 Tonnen – ein dickes Plus an guten Gründen

Die vier Hauptgründe, die zum Kauf geführt haben waren:

  1. Die Zuladung
  2. Das Platzangebot
  3. Die Ausstattung
  4. Die Ganzjahrestauglichkeit
Wohnmobile über 3,5 Tonnen
November 2018 in der Bretagne

Die Zuladung

Auch wenn die Hersteller es beharrlich bestreiten: Die Zuladung ist bei vielen 3,5 Tonnen Wohnmobilen oft mehr als knapp bemessen. Für zwei Personen, die ein wachsames Auge auf das Zubehör richten, das nicht zum Serienzustand des Fahrzeuges gehört und die auch beim Gepäck auf das Zuladungskonto achten, mögen maximal 3,5 Tonnen ausreichen. Ist man mit Kind und Kegel und/ oder mit Wunschzubehör wie z. B. nachträglich eingebauter Markise, TV- und Sat-Anlage, Klimaanlage, Solarpanel, elektrischen Hubstützen etc. auf Reisen, überschreitet man schnell das Limit. Mit einem überladenen Wohnmobil unterwegs zu sein ist nicht nur gefährlich, sondern kann richtig ins Geld gehen. Vor allem im Ausland sind die Bußgelder bei Überschreitung des zulässigen Gesamtgewichts mitunter üppig. In Deutschland kommt bei mehr als zwanzig Prozent Überladung zum Bußgeld noch ein Strafpunkt in Flensburg hinzu.

Weil wir unser Wohnmobil mitunter auch beruflich nutzen, im Frankeich- oder Italienurlaub gern einen netten Vorrat an Wein mit nach Hause bringen und auch bei der Ausstattung viele Extrawünsche hatten, haben wir uns für einen auf 7,2 Tonnen aufgelasteten Dethleffs Grand Alpa plus entschieden. Der große Alpa auf Iveco-Basis punktet mit einer Zuladung von stattlichen 2.200 Kilogramm. Die zu überschreiten, fällt selbst Reisenden, die weder beim Gepäck noch bei der Ausstattung Diät halten möchten schwer.

Dethleffs Grand Alpa plus
Viel Platz in der Heckgarage

Das Platzangebot

Als junge Studenten sind wir mit einem Zelt in Urlaub gefahren. Schon bald ersetzten wir das Zelt durch einen kleinen und betagten Wohnwagen. Die Wohnwagen, mit denen wir in der Urlaubszeit unterwegs waren, sind im Laufe der Jahre stetig „gewachsen“. Zum Schluss hatten wir einen der legendären Westfalia Columbus, der ebenso autark wie ein Wohnmobil ausgestattet war. Beim Umstieg auf ein Wohnmobil wollten wir weder auf den Komfort noch auf die Ausstattung verzichten, die wir vom Westfalia Columbus gewohnt waren. Eine gemütliche Hecksitzgruppe mit Panoramablick sowie zwei bequeme Einzelbetten, die man vor dem Schlafen nicht umbauen muss, standen demnach ganz oben auf unserer Wunschliste. Ein komfortables Raumbad mit separater Dusche und ein mit einer Tür verschließbarer WC-Bereich waren ebenfalls Pflicht. Als Kochbuchautorin war mir die Größe, Anordnung und Ausstattung der Küche wichtig. Die zur Verfügung stehende Arbeitsfläche sollte groß genug sein, dass man in der Praxis daran tatsächlich auch schnippeln, hacken, Töpfe abstellen etc. kann. Bei uns wird auch im Wohnmobil täglich frisch gekocht.

Freunde von uns scherzten manchmal, dass wir vielleicht besser mit einem Apartment in Frankreich bedient wären. Doch uns liegt das mobile Reisen im Blut. Längere Zeit nur an einem Ort zu verweilen, drückt bei uns auf die Urlaubsstimmung. Wir wollen unterwegs, mobil und spontan sein. Gerade in den „schönsten Wochen des Jahres“. Deshalb rückten wir von unseren Ansprüchen nicht ab. Wir entschieden uns für Komfort und Mobilität, in dem wir uns ein „Apartment auf sechs Rädern“ zulegten. Das funktioniert für uns nur mit einem Wohnmobil über 3,5 Tonnen.

Grand Alpa plus Panoramsitzgruppe
Gemütliche und große Hecksitzgruppe

Die Ausstattung

Früher haben wir, was die Ausstattung betrifft, oft Kompromisse gemacht. Wenn man als Student oder als frischer Häuslebauer wenig Geld in der Tasche hat, klappt ein Urlaub prima auch ohne integrierten Backofen, ohne eine Warmwasserheizung, ohne Sat-Anlage, ohne Solar, Duo Control für die Gasversorgung, ohne Dusche. Hauptsache raus aus dem Alltag und rein in den Entspannungsmodus! Und wer weiß? Vielleicht sehen wir das in fünfzehn Jahren wieder so.

Jetzt, beziehungsweise zu dem Zeitpunkt, als wir den Kaufvertrag für unser Traummobil unterschrieben, wollten wir mehr. Viel an Ausstattung, viel an Komfort. Nicht alles, was an technischem Zubehör möglich ist, aber doch eine ganze Menge. In dieser Hinsicht ist der Grand Alpa plus bereits in der Serienausstattung gut bestückt.  Bei einem Fahrzeug in dieser Preisklasse darf man allerdings auch schon einiges erwarten.

Bereits beim Kauf war uns klar, dass noch ein paar Extras, die nicht zur Serienausstattung gehören, hinzukommen würden. So investierten wir inzwischen noch in eine Dieselheizung, um beim Heizen unabhängig vom Gas zu sein, und in hydraulische Hubstützen. Womit wir wieder bei Punkt eins, der Zuladung angekommen sind. Auch mit diesen Zusatzeinbauten haben wir in Sachen Zuladung noch viel Spielraum. In ein Wohnmobil über 3,5 Tonnen passt einfach mehr rein, ohne dass man ängstlich auf den Bußgeldkatalog schielen muss.

Elektrische Hubstützen E&P
Zusatzzubehör – Hydraulische Hubstützen

Die Ganzjahrestauglichkeit

Da bei uns keine schulpflichtigen Kinder mit zur Crew gehören, sind wir in der Planung unserer Reisezeiten nicht auf die Schulferien angewiesen. Außerdem meiden wir die sogenannten Brückentage und langen Wochenenden. Weil der beste Wohnmobilehemann und ich als Selbstständige tätig sind, ziehen wir es vor, an Brückentagen etc. zu arbeiten und zu reisen, wenn auf Straßen und Stellplätzen weniger los ist. Das heißt, wir reisen antizyklisch. Wir sind keine Schönwettercamper, sondern oft Anfang April und im späten Spätherbst (Ende Oktober/ November) unterwegs. Also zu Zeiten, wenn es draußen auch mal kalt und nass und damit ungemütlich ist. Damit es dann im Wohnmobil gemütlich ist, sollte das Wohnmobil komplett wintertauglich sein. Ein beheizter Doppelboden mit frostgeschützter Wasserinstallation sowie eine üppig dimensionierte Heizung sind also Pflicht. Wie gute Dämmung und ein gutes Lüftungssystem, damit das Kondenswasser bei schlechter Witterung nicht von innen die Scheiben hinunterläuft. Hier kommen manche 3,5 Tonnen Wohnmobile schnell an ihre Grenzen. Denn Wintertauglichkeit bezahlt man nicht nur mit Euros, sondern auch mit Zusatzgewicht.

Dämmung und Heizung sind für ein gemütliches Klima jedoch nicht alles. Wenn zwei Erwachsene mit zwei Hunden viele Stunden in einem geschlossenen Raum verbringen möchten und die Stimmung trotzdem gut bleiben soll, hilft es immens, wenn jeder sich auf sein eigenes Plätzchen zurückziehen kann. Bei einem großen Wohnmobil über 3,5 Tonnen sind die Platzverhältnisse in der Regel so, dass es sich jeder bequem machen und nebenbei noch die Küche oder das Bad ohne Einschränkungen genutzt werden kann. Hier punktet die Größe mit großen Möglichkeiten zum Wohlfühlen und zur Entspannung, sodass sich die eventuellen Nachteile wie z. B. Geschwindigkeitsbeschränkungen, LKW-Überholverbot, höhere Maut- und Fahrgebühren locker aufheben.

Wohnmobile über 3,5 Tonnen
Innen ist es auch bei Schnee und Eis gemütlich

Fazit: Wohnmobile über 3,5 Tonnen

Wir haben den Kauf eines Wohnmobils über 3,5 Tonnen noch keine Sekunde bereut und sind trotz üppiger Außenmaße bis jetzt überall hingekommen, wo wir hinwollten! Mit einem komfortablen und gut ausgestatteten Reiseschiff die schönsten Ecken in nah und fern zu erkunden, ist genau unsere Art zu reisen.

Dieser Bericht spiegelt meine persönliche Meinung und meine Erfahrungen wider. Aus rechtlichen Gründen muss ich jedoch folgenden Hinweis hinzufügen: ~Werbung durch Empfehlung ohne Auftrag/Bezahlung.~

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4 Gedanken zu „Wohnmobile über 3,5 Tonnen – Viel Platz, viele Vorteile

  1. Wünsche euch auch viel Spaß mit dem Kleinen …. Obwohl von klein ja eigentlich nicht die Rede sein kann. 🙂
    Wenn alles planmäßig gelaufen wäre, hätten wir auch noch den A6820. War ja eigentlich unser Traummobil, das sich allerdings in 2 Jahren in ein Alptraummobil entwickelte. Da blieb nur noch die Rückabwicklung. Zum Glück war Dethleffs da sehr fair!
    Frei nach dem Motto „Unverhofft kommt oft“, sind wir dann beim ganz großen Alpa gelandet. War wohl Schicksal! 🙂
    LG aus dem Odenwald.

  2. Wir haben anscheinend die gleichen Gedanken für ein komfortables reisenund „wohnen“. Wir haben zwar bei dem kleinen normalen AlPa nur 4,5 to aber weniger dürften es bei uns zwei (keine Kinder) auch nicht sein ! Auch wir fahren lieber dann wenn nicht alle fahren. Wir können eure Entscheidung voll verstehen ! Viel Spaß mit eurem Großen von uns mit dem Kleineren :-))

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