Das traurige Schicksal des Dichters Saint-Pol-Roux in Camaret

Das traurige Schicksal des Dichters Saint-Pol-Roux in Camaret

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Immer wenn ich in Camaret-sur-Mer auf der Halbinsel Crozon bin, ziehen mich nicht nur der Schiffsfriedhof im Hafen oder der Steinkreis von Lagatjar, sondern auch die Ruinen des ehemaligen Landsitzes des Dichters Saint-Pol-Roux magisch an. Deshalb konnte ich es auch nicht unterlassen, in meinem ersten Bretagne Roman den einen oder anderen Hinweis auf diesen inzwischen schon fast vergessenen Dichter zu geben, dessen Schicksal mir ans Herz geht.

Schicksal des Dichters Saint-Pol-Roux

Saint-Pol-Roux ein früher Surrealist

Saint-Pol-Roux wird als Paul-Pierre Roux am 15. Januar 1861 in Marseille geboren, wo seine Familie Keramikprodukte produziert. Nach der Schul- und Armeezeit nimmt er in Paris ein Jurastudium auf, was er jedoch nie abschließt. In Paris fühlt er sich von dem damaligen Künstlerkreis um Stéphane Mallarmé angezogen, wodurch er ab 1890 den Künstlernamen Saint-Pol-Roux annimmt.

Finanzielle Gründ zwingen ihn und seine zukünftige Ehefrau, Amélie Bélorgey, Paris zu verlassen. Nach Stationen in Brüssel sowie in den belgischen Ardennen kommt Saint-Pol-Roux in die Bretagne, zuerst nach Roscanel, später dann nach Camaret-sur-Mer. Aufgrund von u.a. Einnahmen aus einer Opernaufführung kann er es sich inzwischen leisten, 1903 ein Haus direkt auf den Klippen an der Pointe de Pen Hir, mit fantastischem Blick auf den Strand von Pen Hat zu kaufen. Dort empfängt er im Laufe der Jahre bedeutende Mitglieder der Künstlerschaft um André Antoine, Max Jacob, André Meton und Jean Moulin, die sich ebenfalls, zumindest in den Sommermonaten, in Camaret-sur-Mer ansiedeln.

Strand Pen Hat in Camaret-sur-Mer

Aber das Schicksal meint es nicht gut mit Saint-Pol-Roux. Im Jahr 1914 verliert sein Sohn Coecilian wie Tausende andere auf den Schlachtfeldern von Verdun sein Leben, im Jahr 1923 stirbt Saint-Pol-Roux‘ Ehefrau Amélie. Nur seine Tochter Divine bleibt noch bei ihm auf dem Landsitz in Camaret, den er derweil zu Ehren seines Sohnes Manoir de Coecilian getauft hat.

Ein Opfer des 2. Weltkrieges

In der Nacht vom 23. auf den 24. Juni 1940 verändert sich das Leben von Saint-Pol-Roux für immer: Ein Soldat der deutschen Wehrmacht dringt in das Landhaus auf den Klippen ein, tötet die Haushälterin und schießt Divine, der Tochter Saint-Pol-Roux‘, ins Bein. Erst als der Haushund energisch eingreift, flüchtet der Soldat und Saint-Pol-Roux entkommt, selbst schwer verletzt, dem schon sicher geglaubten Tod. Während seines Krankenhausaufenthaltes in Brest wird sein Manoir geplündert, wodurch viele seiner Manuskripte für immer verloren gehen.

Ruinen Landhaus Saint-Pol-Roux

Von dem Schock des Überfalls hat sich Saint-Pol-Roux nie erholt. Er stirbt am 18. Oktober 1940 an den Folgen eines Nierenversagens mit Harnvergiftung und aus Trauer um all das, was er verloren hat.

1944 wird der Landsitz von Saint-Pol-Roux von den Alliierten bombadiert und durch den anschließenden Brand weitgehend zerstört. Heute erinnern noch die Ruinen des Manoir de Coecilian an den Dichter, Symbolist und frühen literarischen Vertreter des Surrealismus.

Blick durch Ruine Landhaus Saint-Pol-Roux

Mögen Sie uns an diesem wunderschönen und inzwischen friedlichen Ort als Mahnzeichen dienen und uns hoffen lassen, das etwas derart Schreckliches wie das traurige Schicksal des Dichters Saint-Pol-Roux nie mehr passieren wird.

Bis bald oder à bientôt.

H.K. Anger

Dieser Bericht spiegelt meine Meinung und meiner Erfahrungen wider. Aus rechtlichen Gründen muss ich jedoch folgenden Hinweis hinzufügen: ~Werbung durch Empfehlung ohne Auftrag/Bezahlung.~

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3 Gedanken zu „Das traurige Schicksal des Dichters Saint-Pol-Roux in Camaret

  1. Auch mir war dieser fanzösische Dichter nicht bekannt, mehr durch Zufall entdeckten wir aber schon vor Jahren diese Ruinen des ehemals schönen Herrenhauses. Die in französich gehaltenen Tafel am Haus,konnte ich nicht übersetzen und googelete zu hause. Nun zieht es uns jedes Jahr hierher, in diesem Jahr waren wir zum ersten mal nicht allein- viele in- und ausländische Gäste mit uns. Danke für die Beschreibung des Dichters und seiner Lebensumstände, ja es ist schon berührend und es wird nicht unser letzter Besuch hier sein. Ich bin Vorsitzende eines Heimatvereines und befürworte, die Geschichten von früher zu bewahren und sei es als Mahnung.

  2. Das ist ja mal ein informativer, sorgfältig mit Liebe zum Detail geschriebener Artikel. Vielen Dank! 🙂

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