Camping Wingen-sur-Moder – Warum wir Campingplätze neu entdecken

Camping Wingen-sur-Moder – Warum wir Campingplätze neu entdecken

Nach dem Wechsel vom Wohnwagen auf ein Wohnmobil wollten wir eigentlich nicht mehr auf Campingplätze. Jetzt landen wir doch immer öfter dort. Zum Beispiel auf dem Camping Wingen-sur-Moder. Schuld daran ist …. Lest selbst!

Mit dem Wohnmobil zu reisen, das steht allgemein für Freiheit, für Ungebundenheit und Spontanität. Wohnmobilurlaube sind Reisen nach dem Lust-und-Laune-Prinzip: „Heute hier, morgen dort. Bin kaum da, muss ich fort …“ Ist Hannes Wader, von dem diese Worte stammen, eigentlich auch ein Wohnmobilist?

Weil nichts bleibt, wie es war

Ich könnte mir den rebellischen Barden, dem Klanghelden unserer damaligen Abistufe, durchaus in einem Flower-Power-Bus mit der Klampfe auf der zum Bett ausgebauten Rückbank vorstellen. Wie er nach einem langen Tag auf Achse abends am Lagerfeuer sitzt und feststellen muss: „Dass nichts bleibt, dass nichts bleibt, wie es war.“

Recht hat er, der Liederpoet und Politiksänger. Denn manchmal kommt noch mehr. Oder es kommt noch dicker. Leben bedeutet Wandel: „Denn was neu ist wird alt. Und was gestern noch galt, stimmt schon heut‘ oder morgen nicht mehr.“

Unterwegs mit herzkrankem Hund

Wie wahr! Denn gestern hatten wir zwei gesunde und strapazierfähige Hunde, die mit uns bei jedem Wind und Wetter mit dem Wohnmobil über Stock und Stein reisten. Gestern war für unsere vierbeinigen Begleiter (fast) noch alles möglich. Wo sind nur die Jahre geblieben?

Zu schnell kam das Heute. Heute haben wir einen fitten Hund.

Filou
Filou am Strand von Honfleur

Und einen zweiten, den zunehmend Herzprobleme plagen. Dem wir beim Reisen nicht mehr alles zumuten können. Oder wollen.

Fritzchen
Fritzchen am Strand von Pen Be

Mit dem Wohnmobil zu fahren, ist an sich nicht das Problem. Auch ausgedehnte Erkundungstouren um den Stellplatz funktionieren – dank der unterstützenden Medikamente – noch prima. Sofern das Wetter mitspielt. Denn ab gut 22 ° Celsius zeigt sich unser Fritzchen, ein aus Spanien adoptierter Shi Tzu, wetterfühlig. Da drückt ihm jedes zusätzliche Grad Celsius auf die Pumpe, wird ihm die Luft knapp.

Bedeutet das nun, dass wir, wenn es wettermäßig ganz dumm läuft, von Mitte April bis Mitte Oktober nicht mehr mit dem Wohnmobil unterwegs sein können? Dass wir unsere hart erkämpfte Freizeit im heimischen Odenwald absitzen müssen?

Ist eine Klimaanlage nur etwas für Womo-Weicheier?

Mitnichten. Denn hier kommt das „Weil nichts bleibt, wie es war“ wieder in unser Reisespiel. Früher, als wir noch mit dem Wohnwagen und im Anschluss mit dem kleinen Alpa unterwegs waren, fanden wir Klimaanlagen unnütz. Oder schlichtweg doof. Weil sie bei Betrieb so Radaumacher sind. Weil man von Klimaanlagen Schnupfen bekommt. Weil man sie ohne den Anschluss an 230 Volt nicht nutzen kann. Folglich nix für Freisteher sind. Kurzum: Klimaanlagen sind, wie wir in unserem damaligen Hochmut erachteten, nur etwas für ausgesprochene Wohnmobilweicheier! Also nichts für uns, die hartgesottenen Camper mit fast 40 Jahren Campingerfahrung auf dem Buckel!

Als wir im August 2018 den ganz großen Alpa kauften, hatte der, als Nachrüstungspaket durch den Händler, eine Anhängerkupplung montiert. Und eine Dachklimaanlage. „Brauchen wir nie!“, tönten der beste Wohnmobilehemann und ich unisono. Aber da die Klimaanlage nun mal installiert war, nahmen wir sie wie den Rest des Wohnmobils mit nach Hause. In der schmerzlichen Gewissheit, einen Batzen Euros in etwas investiert zu haben, das wir auf Reisen ungenutzt mitschleppen würden.

Klimaanlage für das Wohnmobil
Reisen mit gutem Klima

Wer braucht schon einen Campingführer?

Gleiches galt für den ACSI Camping- und Stellplatzführer, den wir jetzt schon seit langer Zeit abonniert haben. War das inzwischen nicht ebenfalls eine unnütze Ausgabe? Und das alle Jahre wieder? Schließlich gibt es inzwischen doch so viele tolle Apps, mit denen man in null Komma nichts einen Stellplatz findet. Mir zuckte es in den Fingern, das Abo zu kündigen. Für „Heute hier, morgen dort …“, brauche ich die beiden dicken Bände nicht mehr, war meine damalige Überzeugung.

Bis, ja bis das eben schon besagte „Was gestern noch galt, gilt schon heut‘ oder morgen nicht mehr“ eintrat. In der Form, dass unser Fritzchen im Sommer zunehmend schlapp macht. Sein gesundheitlicher Zustand Rücksicht erfordert. Dabei ist es, ganz nebenbei bemerkt, auch nicht gerade förderlich, dass die Sommer zunehmend heißer werden und eine Hitzewelle die nächste jagt. Klima und Gesundheit sind eng miteinander verzahnt.

Shi Tzu
Kleiner Hund auf großen Wohnmobilreisen

Könnte da nicht, unter Umständen, und wenn man es nüchtern betrachtet, eine Klimaanlage von Vorteil sein? Würde eine Klimaanlage nicht dazu beitragen, dass wir, wie gewohnt, mit beiden Hunden im Gepäck reisen können, flüsterte eine kleine renitente Stimme in meinem Inneren.

Aber wo geht man auf Reisen mit Klimaanlage denn so hin, hakte gleich mein zu Zweifeln neigendes Gehirn nach. Freistehen funktioniert mangels Stromzufuhr nicht. Auf Stellplätzen muss man ständig Münzen nachwerfen, um den Betrieb des kühlenden Geräts sicherzustellen.

Also doch aus und Ende für unsere Sommerreisen?

Gutes Klima auf dem Campingplatz

In dem Moment fiel mein Blick auf den ACSI Camping- und Stellplatzführer. Ein Gefühl von Déjà-vu machte sich in meinen Gehirnwindungen breit.  Und da wusste ich, dass sich gerade noch eine Binsenweisheit in mein Reiseleben einschlich: Sag niemals nie! Nein, eigentlich wollten wir mit dem Wohnmobil nicht mehr auf Campingplätze. Das hatten wir schließlich schon jahrzehntelang mit dem Wohnwagen praktiziert. Jetzt wollten wir frei von Campingplatzzwängen sein. Aber die Freiheit des einen hört bekanntlich dort auf, wo sie die des anderen einschränkt. Unser Fritzchen braucht bei heißen Temperaturen Kühlung, um sein Reiseleben als Hund frei und voll zu genießen. Ohne unterstützende Kühlung geht es nicht mehr. Punkt.

Camping Wingen-sur-Moder
Camping Wingen-sur-Moder

So machten wir gedanklich eine Kehrtwendung. Wir stellen uns dem Wandel und halten, wenn es nötig ist, wieder nach Campingplätzen Ausschau. Solchen von der Sorte, die nicht zu groß und in Sachen „Freizeitunterhaltung“ nicht zu aufgemotzt sind. Wo sich ein grünes Plätzchen zum Chillen finden lässt. Wo Mensch und Hund die Seele baumeln lassen können. Wo eine ausreichende und zuverlässige Stromversorgung für die Klimaanlage gewährleistet ist.

Dethleffs Grand Alpa plus
Parzellen mit viel Grün und Platz

Fündig wurden wir Mitte Juli in dem beschaulichen Örtchen Wingen-sur-Moder in den Nordvogesen.

Camping Wingen-sur-Moder

Der Camping Municipal mit etwa 30 Plätzen schmiegt sich terrassenförmig an das sanfte Tal des Bächleins Moder.

Wingen-sur-Moder
Sanftes Tal der Moder

Dort halten schottische Highland Rinder den ausufernden französischen Grünwuchs unter Kontrolle.

Highland Cattle
Klimafreundliche Rasenmäher in Wingen-sur-Moder
Highland Cattle
Bon Appétit fürs Rindvieh

Auf der oberen und der darunterliegenden Terrasse des gemeindeeigenen Campingplatzes befinden sich mit 16 Ampère abgesicherte Stromsäulen. Die meisten Plätze sind als Rasenplätze angelegt, ein paar sind auch geschottert. Schatten gibt es unter mehr oder minder dichtstehenden Bäumen, die allerdings auf direktem Konfrontationskurs mit dem Sat-Empfang fürs Fernsehen stehen.

Camping Wingen-sur-Moder
Hier starten die Wanderwege

Aber wer braucht bei der schönen Aussicht und den vielen Wander- und Sportmöglichkeiten schon einen funktionierenden Fernseher? Eingefleischte Zeltler finden ihr Lieblingsplätzchen meist auf dem unteren Teil des Campingplatzes, wohin es für manches Wohnmobil zu steil hinabgeht.

Camping Wingen-sur-Moder
Gut getarnt im Zelt

Die Sanitäranlange sind, wie bei vielen Campings Municipaux in Frankreich, einfach gehalten, aber sehr sauber.

Sanitäranlange Camping Wingen-sur-Moder
Einfach aber sauber

Für Männlein und Weiblein stehen jeweils zwei Duschen zur Verfügung, dazu natürlich noch Toiletten und Waschbecken mit kostenfreiem heißen und kalten Wasser.

Sanitäranlagen Camping Wingen-sur-Moder
Ein bisschen Retroschick
Sanitäranlagen Camping Wingen-sur-Moder
Heißes Wasser satt

Direkt vor dem Sanitärgebäude befindet sich die Ver- und Entsorgungsstation. Hinter dem Gebäude gibt es noch 4 Becken zum Geschirrspülen oder Wäschewaschen. 

Ver- und Entsorgung Camping Wingen-sur-MOder
Ver- und Entsorgungsstation

Camping Wingen-sur-Moder – einfach, aber wunderschön

Was die Bezahlung angeht, ist man auf dem Camping Wingen-sur-Moder bemüht, es einfach zu halten. Am Abend macht Christiane Schmitt, die mit einer gehörigen Portion Humor gesegnete Chefin des Ganzen, ihre Runde. Sie kassiert das Bargeld (!) für die Übernachtung und nimmt gleichzeitig Bestelllungen für Baguette, Pains au Chocolat oder Croissants entgegen. Das ofenfrische Brot oder Gebäck bringt Christiane Schmitt am nächsten Morgen direkt zum Wohnmobil. Urlaubslangschläfer, wie wir es sind, vereinbaren am besten einen Platz am Wohnmobil, wo das Brot vor Feuchtigkeit geschützt zwischengelagert werden kann.

Camping Wingen-sur-Moder Preisliste
Moderate Preise

Die Tarife sind, selbst in der Hauptsaison, als moderat zu bezeichnen. Hunde fallen preislich übrigens überhaupt nicht ins Gewicht! Geöffnet hat der Camping Wingen-sur-Moder vom 1. Mai bis zum 30. September.

Was gibt es in der Umgebung vom Camping Wingen-sur-Moder zu sehen oder tun?

Was kann man in Wingen-sur-Moder machen? Zum Beispiel wandern, bis die Socken qualmen. Die Wanderwege führen direkt am Campingplatz vorbei, also einfach Schuhe anziehen und los!

Parcours de Santé Wingen-sur-Moder
Trimmpfad, um die französischen Leckereien abzutrainieren
Wanderwege Wingen-sur-Moder
Wandern von seiner schönsten Seite

Fahrradfahren klappt natürlich genauso. Nur sollte man beachten, dass es in den Vogesen schon mal ordentlich steil hinauf gehen kann! Hier ist also eine gute Kondition oder Anschubhilfe mittels E-Bike-Motor gefragt.

Für Leseratten gibt es an den dem Campingplatz angrenzenden Sportanlagen der Gemeinde eine Bücherhäuschen mit französischen und deutschen Büchern, die man sich ausleihen (oder auch mitnehmen) darf.

Cabinet de Livres Wingen-sur-Moder
Für Leseratten – Bücherhäuschen

Wer eher kulturelle Werte sucht, für den ist ein Besuch des im Ort angesiedelten Musée Lalique empfehlenswert. Hier werden 650 Preziosen aus feinstem Kristallglas ausgestellt und geben einen Einblick in das Leben und Schaffen von René Lalique. Der begnadete Schmuck- und Glaskünstler prägte den Art Nouveau, die französische Ausprägung des Jugendstils, wie kaum ein zweiter. 1921 eröffnete René Lalique seine zweite Glasfabrik, die Verriere d’Alsace, in Wingen-sur-Moder, wo auch heute noch für das Unternehmen Lalique produziert wird.

Camping Wingen-sur-Moder – auch eine erstklassige Adresse für Gourmets

René Laliques 1920 in Wingen-sur-Moder erbaute Villa beherbergt inzwischen ein Fünf-Sterne-Hotel mit einem Zwei-Sterne-Restaurant.  

Villa René Lalique Wingen-sur-Moder

Wer Abwechslung zur alltäglichen Wohnmobilküche und feine Gaumenkitzler sowie erlesene Weine sucht, ist hier mit Sicherheit gut aufgehoben.

Villa René Lalique Wingen-sur-Moder
Fünf-Sterne-Hotel mit Zwei-Sterne Restaurant

Fast wäre ich, bei unserem Aufenthalt in Wingen-sur-Moder, in Versuchung gekommen. Denn auf der Karte von Chef Étoile Jean-Georges Klein, der es als Autodidakt zu zwei Michelin-Sternen geschafft hat, steht auch ein veganes Menü. Wenn schon mal vegan auf Sterneniveau gekocht wird, sollte man das eigentlich ausprobieren!

Menu Villa René Lalique Wingen-sur-Moder
Auch vegan auf allerhöchstem Niveau

Aber leider hatte ich verabsäumt, das „kleine Schwarze“ ins Wohnmobil einzupacken. Meine Jeans und Wanderstiefel wären an diesem illustren Ort wohl fehl am Platz gewesen!

So haben wir uns an dem von Christiane Schmitt vorbeigebrachten Baguette und einem leckeren Kichererbsenaufstrich à la maison Heike sowie einem guten französischen Tropfen in unserem Wohnmobil erfreut.

Veganer Kichererbsenaufstrich
Kichererbsenaufstrich à la maison Heike

Aus den Wohnmobillautsprechern erklang dazu Patricias Kaas und vom Wohnmobildach pustete unsere Klimaanlage ein kühlendes Lüftchen zu uns hinunter. So waren Mensch und Hund auch an diesem heißen Juliwochenende auf dem Camping Municipal in Wingen-sur-Moder im siebten Wohnmobilhimmel.

Camping Wingen-sur-Moder
Ein tolles Wochenende auf dem Camping Wingen-sur-Moder

Leider sollte Hannes Wader jedoch auch hier das letzte Wort behalten. „Weil nichts bleibt, wie es war“, mussten wir am nächsten Morgen unsere Wohnmobilsiebensachen zusammenpacken und zurück in den heimischen Odenwald fahren.

(Zitate aus Hannes Wader: Heute hier, morgen dort, 1972).

(Dieser Bericht spiegelt meine persönlichen Erfahrungen und Eindrücke wider. Trotzdem muss ich ihn aus rechtlichen Gründen als „Reisewerbung ohne Auftrag/ Bezahlung“ kennzeichnen. Selbstverständlich haben wir die Gebühren für den Campingplatz und alle anderen Kosten des Aufenthaltes selbst bezahlt.)

Lust zu teilen?

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.