Wohnmobilreisen mit sehr altem Hund an Bord – Ein Erfahrungsbericht

Wohnmobilreisen mit sehr altem Hund an Bord – Ein Erfahrungsbericht

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Viele Hundebesitzer kennen die Situation: Der geliebte Vierbeiner wird älter, Krankheiten stellen sich ein. Ein Grund, auf das Reisen zu verzichten? Wir sagen nein, denn Wohnmobilreisen mit einem sehr alten Hund an Bord kann eine Bereicherung nicht nur für uns, sondern vor allem für den Hund sein.

Shi Tzu Fritzchen

Es scheint uns noch wie gestern, als wir unseren Shi Tzu Rüden Fritzchen aus Südspanien adoptierten und ihm bei uns im Odenwald ein neues Zuhause gaben.

Doch inzwischen sind acht Jahre vergangen und Fritzchen ist kein junger Hund mehr. Er war es wohl schon nicht so richtig, als er in unser Leben kam. Über seine Vergangenheit wissen wir wenig, nur, dass er als Zuchtrüde im Einsatz war und irgendwann – aus welchen Gründen auch immer – in der Perrera, in einer der gefürchteten Tötungsstationen in Spanien landete. Dort hat ihn eine Tierschutzorganisation zwecks Vermittlung nach Deutschland herausgeholt.

Fritzchen hatte mit dem Einleben im Odenwald keine Schwierigkeiten, weder der Ersthund noch eine muntere Katerschar waren für ihn ein Problem, er war von Anfang an für uns alle ein kleiner dreifarbiger Sonnenschein auf vier Hundepfoten.

Shi Tzu am strand
Strand von Saint Jean de Monts

Bald stellte sich heraus, dass Fritzchen gesundheitliche Probleme hat (Wir vermuten, dass er deshalb auch in der Tötungsstation “entsorgt” werden sollte.): Er leidet an Atopischer Dermatitis, die uns, unseren Tierarzt und ihn manchmal an die Grenzen des Möglichen bringt. Zudem wurde schon bald, nachdem er bei uns eingezogen war, ein vergrößertes Herz festgestellt, das trotz der notwendigen Medikamente, wie es bei diesem Krankheitsbild leider oft geht, mit zunehmendem Alter noch größer und damit gefährlicher für ihn wird. Inzwischen gilt er diesbezüglich als “austherapiert”, und wir sind uns mit unserem Tierarzt darüber einig, dass wir ihm die letzten Wochen so angenehm und so lebenswert wie möglich gestalten wollen.

Auf Reisen mit altem Hund – Na und, warum nicht?

Eine von Fritzchens größten Freuden ist das Reisen mit dem Wohnmobil. Er liebt es, neue Plätze zu erschnuppern, neue Eindrücke zu sammeln und einfach immer mit dabei und mittendrin zu sein. Dann strahlen seine inzwischen schon alterstrüben Augen und er vergisst, dass er eigentlich nicht mehr so schnell laufen und toben kann. Andererseits verträgt er keine Hitze und noch weniger Schwüle, muss wegen der Diuretika, die er einnimmt, oft nach draußen, ist manchmal nach tiefem Schlaf für ein paar Minuten orientierungslos und wir müssen ihm erst wieder erklären, wer er ist. Ob dieser Zustand eine Nebenwirkung der Tabletten oder das erste Stadium von Demenz ist sei dahingestellt – wir wissen, dass es nicht besser wird und versuchen, beruhigend und stabilisierend auf ihn einzuwirken. Was besonders im Mikrokosmos Wohnmobil gut gelingt. Da weiß er uns immer an seiner Seite und findet sich zurecht, auch wenn der Kopf zeitweise nicht mehr so ganz mitmacht.

Wohnmobilreisen mit sehr altem Hund an Bord
Fritzchen

Natürlich könnte man auch sagen: Wohnmobilreisen mit sehr altem Hund an Bord, das ist nichts für Mensch und Tier. Bleibt mit dem armen Hund zu Hause und gönnt ihm in seiner letzten Lebensphase doch die Ruhe. Das haben wir hinlänglich mit Expertenunterstützung diskutiert. Das Problem ist nur, Fritzchen will die Ruhe nicht. Selbst wenn wir nur den Schlüsselbund fürs Wohnmobil in die Hand nehmen, ist er sofort zur Stelle und will los, will dabei sein. Trage ich einen Korb mit Lebensmitteln oder Wäsche in die Garage, ist das für ihn das Zeichen zum Aufbruch. Geht es dann endlich los, nimmt er (am Sicherheitsgeschirr angeleint), seinen Platz zwischen Fahrer- und Beifahrersitz ein und gibt sich ganz als Reiseprofi. Auch wenn er 90 Prozent der Fahrzeit inzwischen verpennt.

Fritzchen will reisen, will bis zum letzten Atemzug mit dabei sein. Reisen, Herumvagabundieren gibt ihm einen Energieschub und neuen Antrieb. Um ihm dies zu erleichtern, haben wir unseren Reiserhythmus und unsere Reiseziele an seine Bedürfnisse angepasst.

Shi Tzu Rüde in der Bretagne

Wohnmobilreisen mit sehr altem Hund – unsere Maßnahmen

  1. Wir vermeiden das Reisen bei sehr hohen Temperaturen, den Hochsommer verbringen wir zu Hause. Kälte ist nicht so problematisch, weil der Aufenthalt im Freien inzwischen sehr begrenzt ist.
  2. Sollte es doch einmal wärmer als gedacht werden, suchen wir uns einen Stellplatz oder Campingplatz mit Strom, wo der Einsatz der Klimaanlage möglich ist.
  3. Wir stellen uns abseits hin, um niemanden zu stören, wenn Fritzchen doch einmal nachts ein kleines Geschäft erledigen muss. Auf Campingplätzen stehen wir nahe am Eingangsbereich, um schnell den Platz verlassen zu können, meist, indem wir den Hund auf dem Arm tragen. Hundekotbeutel sind selbstverständlich immer am Mann bzw. an der Frau. Am liebsten sind uns Plätze in der freien Natur, wo wir alleine stehen und wir niemanden belästigen.
  4. Wir fahren nur noch kürzere Etappen, um den Hund nicht zu stressen und um öfter Pinkelpausen einzulegen. Wir entdecken neue Ziele im Nahbereich, die echten “Fernreisen” verschieben wir auf später.
  5. Wir haben eine umfangreiche Reiseapotheke für den Hund dabei, die neben den täglich notwendigen Medikamenten auch Medikamente für Notfälle (z. B. Magen-Darm-Erkrankungen, Schmerzmittel, Hilfe bei kleineren Verletzungen) beinhaltet. Die Telefonnummer unseres Tierarztes kann ich im Schlaf aufsagen.
  6. Wir verwenden nur gefiltertes, hygienisch einwandfreies Wasser, auch für die Hundenäpfe.
  7. Mit seinen 11 Kilogramm ist Fritzchen gut die Stufen der Eingangstür hoch und hinunter zu tragen. Bei einem schwereren Hund würden wir eine Rampe, wie es sie im Zubehörhandel gibt, verwenden.
  8. Wir passen unseren Tagesablauf an seine veränderten Schlaf- und Ruhepausen an.
  9. Wir akzeptieren es, dass es keine längeren Spaziergänge mehr mit Fritzchen gibt. Zehn Minuten um den Block sind schon toll, meistens ist es jedoch nur ein kurzer Pippigang.
  10. Wir haben uns daran gewöhnt, dass Fritzchen nachts oft die Schlafposition wechselt. Früher lag er meist auf den mit einer Decke abgedeckten Sitzpolstern, heute in seinem Hundekorb unter dem Tisch oder auf einem kleinen Teppich, der im Eingangsbereich liegt. Manchmal schläft er auch direkt vor dem Küchenblock. Wir lassen ihm die Freiheit, dort zu liegen, wo er möchte.
  11. Für Pinkelpannen im Inneren (sehr, sehr selten) oder Erbrechen habe ich ein entsprechendes Reinigungsspray auf der Basis von Mikrobakterien mit dabei.
  12. Im Wohnmobil gehört ein Regenmäntelchen nun fest zum Inventar.
  13. So ein “Hundewägelchen” findet Fritzchen absolut unter seiner Würde, deshalb haben wir uns nach Tests entschlossen, da nicht zu investieren. Er findet es deutlich besser, wenn wir mit dem “großen Wagen auf sechs Rädern” unterwegs sind.
  14. Wir genießen jeden Tag, denn wir sind uns absolut bewusst, dass es tatsächlich sein letzter gewesen sein könnte. Wohnmobilreisen mit einem sehr alten Hund an Bord haben eine ganz andere Qualität, Dankbarkeit und der Gedanke an einen möglichen baldigen Abschied fahren immer mit.
Wohnmobilreisen mit sehr altem Hund an Bord

So nimmt das Reisen derzeit für uns eine ganz andere Bedeutung an. Die Zeit, die uns noch bleibt, ist kostbar. Es gilt, sie zu nutzen. Wohnmobilreisen mit sehr altem Hund an Bord ist für uns ein Muss, solange unser Fritzchen noch zeigt, dass ihm das Reisen guttut.

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