Wohnmobilurlaub Frankreich – Reiselust oder Reisefrust?

Wohnmobilurlaub Frankreich – Reiselust oder Reisefrust?

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Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. So sagt man zumindest.

Eine unserer Reiseroutinen besteht darin, dass wir mindest einmal im Jahr nach Frankreich in Urlaub fahren. Früher mit diversen Wohnwagen, seit 1 1/2 Jahren mit einem Wohnmobil.  Den letzten Urlaub haben wir gerade vor knapp 2 Wochen beendet.

Mit gemischten Gefühlen. Einerseits waren wir erstaunt und beeindruckt von dem, was wir wieder alles Neues erleben durften. Schließlich fahren wir schon schlappe 30 Jahre nach Frankreich! Und immer gibt es Neues zu entdecken, Neuland zu erkunden. Eines meiner diesjährigen Highlights war zum Beispiel der verwunschene Wald Brocéliande bei Paimpont, in dem sich u.a. das Grab des Zauberers Merlin befindet. Sowie ein Jungbrunnen, der einem bei bestimmten, beim Besuch desselbigen auftretenden Phänomenen (oder Wetterlagen?) die ewige Jugend schenken soll. Ob es bei mir funktioniert hat? Beim kritischen Blick in den Spielgel zweifele ich daran.

Wieso hapert es mit der Erholung?

Denn ich sehe irgendwie so gar nicht erholt aus. Natürlich hat das wunderschöne Wetter, mit dem wir selbst zu dieser späten Reisezeit meist gesegnet waren, ein wenig Bräune auf meine schreibtischblassen Wangen gezaubert. Sogar die eine oder andere vorwitzige Sommersprosse lukt jetzt im Spätherbst hervor. Andererseits fühle ich mich schlapp. Müde. Fast schon ausgelaugt. Nach satten 3 Wochen Urlaub. Auch der Göttergatte klagt darüber, dass es ihm an Schwung und Schaffenskraft fehlt. Kein zu erwartendes Resultat für eine so üppige Auszeit à la francaise.

Ein bisschen mag unsere Nach-dem-Urlaubs-Müdigkeit daran liegen, dass es – für unsere Verhältnisse und Vorlieben – in Frankreich aufgrund der Herbstferien teilweise knackevoll war. Damit hatten wir nicht gerechnet beziehungsweise wir hatten vorab unterlassen, den Kalender für Schulferien in Frankreich zu Rate zu ziehen. Wie mich die ganze Situation teilweise gefrustet hat, kommt in meinem letzten Blogpost zum Ausdruck.

Vielleicht habe ich mich beim Recherchieren ein wenig übernommen. Mein zweiter Frankreichroman wird im Milieu der Austernzüchter spielen, sodass wir im Laufe der 3 Wochen verschiedene“Anbaugebiete“ abgeklappert haben. Dabei habe ich mit vielen Leuten gesprochen, ein Haufen gelernt und gefühlte Tausende von Fotos geschossen. Natürlich habe ich viel Zeit, viel Herzblut und Energie investiert, aber es hat doch Spaß gemacht. Ich möchte diese Reisetage nicht missen!

Reisemüde oder müde vom ständigen Rumreisen?

Nun sind wir wieder zuhause im Odenwald und dikutieren. Sind wir zu viel durch die Lande kutschiert? So ein 4,8 to Wohnmobil ist schließlich kein Kleinwagen. Oder hätten wir längere Pausen einlegen müssen? Mal drei, vier Nächte an einem Ort verweilen,  statt fast jeden Tag auf Achse zu sein?

Ich muss gestehen, dass ich an manchen Tagen Schwierigkeiten hatte mich zurückzuerinnern, wo wir ein paar Abende zuvor einen Stellplatz gefunden haben. Beginnende Demenz oder doch eher Reizüberflutung?

Wissenschaftliche Studien behaupten ja, dass die eigentliche Erholung erst einsetzt, wenn man zur Ruhe kommt. Seinem Körper und Geist sozusagen mal ordentlich frei gibt. Selbst Langeweile soll teilweise der Erholung förderlich sein.

L-A-N-G-E-W-E-I-L-E? Ehrlich gesagt musste ich gerade überlegen, wie man das Wort überhaupt schreibt. Dieser (laut Wiki) Ennui ist mir, ehrlich gesagt, fremd. Soll ich im nächsten Urlaub also besser einen Roadtrip Richtung Fadesse (wie die Österreicher sagen) machen?

Von Erkenntnissen und Einsichten

Der Göttergatte schüttelt vehement mit dem Kopf. Das kann er sich bei mir nicht vorstellen. Ich mir auch nicht. Aber vielleicht sollte ich meine Geschäftigkeit im Urlaub etwas zurückfahren. Für das in aller Herrgottsfrühe auf dem Liegestuhl am Pool platzierte Badelaken wird es wohl nimmer reichen. Aber was wäre, wenn ich im kommenden Frühjahr bewusst nur meine Liebenlingsstätten in Frankreich aufsuche? Zum Beispiel die Halbinsel Crozon im Finistère, die ich aus tiefstem Herzen liebe und die mich zu meinem ersten Bretagne-Roman inspiriert hat.

Allein die Vorstellung, einmal wieder durch die Gassen von Camaret-sur-Mer zu schlendern, dem Treiben am Hafen zuzuschauen, mir wunde Finger beim Fotografieren des Schiffsfriedhofes zu holen oder den Wellen an meinem Liebenlingsstrand zu lauschen, erfüllt mich mit Sehnen.

Alles eine Frage des Maßes

Ich glaube, dass es gerade im Urlaub um Balance geht. Um das richtige Maß an Ent- und Anspannung, an Muße und geschäftlichem Urlaubstreiben, an Rückzug und unter die Leute Gehen. Von daher war der vergangene Urlaub nicht verloren. Ich habe viel gesehen, viel erlebt und die Erkenntnis gewonnen, wie wir es beim nächsten Mal ein bisschen besser machen können.

Natürlich wieder in Frankreich. Denn wenn es um Frankreich an sich geht, kann ich nie über Ennui klagen. Frankreich ist und bleibt meine Passion. Selbst, wenn wir uns manchmal ein wenig aneinander reiben.

Wie haltet Ihr es im Urlaub mit dem Ennui oder mit der Action? Ich freue mich auf Eure Kommentare!

Bis bald oder à bientôt.

H.K. Anger

Dieser Bericht spiegelt meine Meinung und meiner Erfahrungen wider. Aus rechtlichen Gründen muss ich jedoch folgenden Hinweis hinzufügen: ~Werbung durch Empfehlung ohne Auftrag/Bezahlung.~

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2 Gedanken zu „Wohnmobilurlaub Frankreich – Reiselust oder Reisefrust?

  1. Moin, moin und Danke für den lieben Kommentar!
    Ja, ich glaube, wir müssen uns auch so eine Art ZEN-Womo-Kultur erarbeiten. Wahrscheinlich waren wir bei der Umstellung von Wohnwagen auf Wohnmobil so euphorisch, dass wir uns zu viel an Reiseprogramm aufgeladen haben. Ist aber auch gemein, dass es in Frankreich so viele schöne Ziele gibt!!!! Bei der Urlaubsplanung habe ich immer folgendes Bild im Kopf: Ich sitze vor einer verführerischen Torte und möchte am liebsten alles aufessen, weiß aber, dass ich mich auf xxx Stücke beschränken muss. Seufz.
    Liebe Grüße ins schöne Ostfriesland aus dem herbstlichen Odenwald.
    Heike

  2. Hallo, so kennen wir das auch. Und haben immer wieder Stress gehabt. Immer weiter fahren, so viel Frankreich sehen wie möglich. Nach 16 Jahren ändert sich so langsam unser Verhalten, einmal, weil wir schon sehr viel gesehen haben und langsam erkannt haben….Ob man 200km weiter fährt oder 10km….neues gibt es immer zu entdeckten. Einfach D sträßchen wählen und sich treiben lassen. Parken ohne Probleme, kleine Restaurants finden, auf netten Dorfplätzen Pastis trinken….Märkte findet man so auch oft….also, wir werden langsam ruhiger😀😀😀 liebe Grüße aus Ostfriesland

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