Ist Schweden als Reiseland unsicher?

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Unser Schwedenurlaub 2026

Unsere diesjährige Frühjahrstour von Mitte April bis Mitte Mai führte uns wieder einmal nach Schweden. Das war unser sechster Schwedenurlaub, das erste Mal fuhren wir im Mai 2017 dorthin. Man kann also sagen, dass wir uns mit dem Reiseland Schweden inzwischen ein wenig bekannt gemacht haben, auch wenn unser Reiseradius sich im Wesentlichen auf Südschweden und das südliche Mittelschweden begrenzt hat.

Unseren diesjährigen Urlaub haben wir sehr genossen: Ein Dauerhoch über Skandinavien sorgte für bestes Reisewetter und für einen an den meisten Tagen blitzblauen Himmel. Die Stellplätze waren im Spätfrühling nur mäßig besucht, selbst am langen Wochenende um den 1. Maifeiertag wurde es nicht zu trubelig. Wir haben sowohl auf ausgewiesenen Wohnmobilstellplätzen als auch – wo erlaubt – in freier Natur gestanden. Nicht selten ganz allein. Haben wir uns dabei unsicher gefühlt? NEIN.

Ist Schweden als Reiseland unsicher

Die Hinweise des Auswärtigen Amtes – Ist Schweden als Reiseland unsicher?

Jetzt hat das Auswärtige Amt Ende Mai 2026 die Reise- und Sicherheitshinweise für Schweden verändert. In der Sparte »Sicherheit« beziehungsweise »Kriminalität« wurde ein Hinweis explizit für Camper aufgenommen. Hier die beiden Sätze, die Schwedenreisende mit dem Wohnwagen oder Wohnmobil haben aufhorchen lassen und die im Internet inzwischen für einiges an Furore sorgen:

Eins dazu vorweg: Anders als es derzeit oft in den Medien dargestellt wird, handelt es sich hierbei nicht um eine Reisewarnung, das Auswärtige Amt rät also nicht explizit von Reisen nach Schweden ab, sondern gibt Reise-/Sicherheitshinweise. Wie man sie zum Beispiel auch für die bei Wohnmobilisten beliebten Reiseländer Frankreich und Italien findet, da fallen sie sogar wesentlich umfangreicher aus.

Schwedenurlaub mit dem Wohnmobil Überfahrt mit Finnlines

Viel (medialer) Lärm um nichts?

Nicht ganz. Schweden ist schon lange nicht mehr das märchenhafte Bullerbü, wo (auf dem Land) Haustüren, Garagen und Schuppen nicht abgeschlossen werden und man unbekümmert außer Haus gehen kann. Wenn man heute durch Dörfer und Siedlungen streift, sieht man fast überall auf den Grundstücken den Hinweis auf Alarmanlagen und erblickt Überwachungskameras an Privathäusern. Auch in Schweden heißt das Motto inzwischen: Vorsorge ist besser als Nachsicht, Einbrüche und Diebstähle kommen im ganzen Land vor, selbst in abgelegeneren Gegenden. Wer diese Einbrüche unternimmt, ob es Schweden, Durchreisende oder organisierte Gaunerbanden aus osteuropäischen Ländern sind, sei einmal dahingestellt. In den großen Städten kämpft die Polizei zudem gegen Bandenkriminalität, die sich u.a. in gewaltsamen Auseinandersetzungen auch mit der Beteiligung von Minderjährigen äußert.

Was bedeutet das für Campingreisende? Seit Jahren wiederholen sich vor allem zu Beginn der Sommerreisesaison die Meldungen über Einbrüche in Wohnwagen und Wohnmobile. Die schwedische Polizei warnt regelmäßig vor Serieneinbrüchen in Campingfahrzeuge, 2025 waren vornehmlich die Regionen Fyrbodal und Älvsborg betroffen, wo es zu Vorfällen auf Campingplätzen sowie Park- und Rastanlagen kam. Weitere »Hotspots« für solche kriminellen Geschehnisse sind, wie man den Meldungen entnehmen kann, die Städte Malmö, Trelleborg und Lund, also die Orte und deren Peripherie, wo viele Camper mit der Fähre an- und abreisen. Auch die Autobahn E6 entlang der Westküste wird als eine der meist frequentierten Reiserouten für Skandinavienurlauber immer wieder in Zusammenhang mit Diebstählen erwähnt. Im letzten Jahr berichteten schwedische Medien über 15 Einbrüche in Folge in der Region Göteborg.

Ist Schweden für Reisende inzwischen ein Hochrisikogebiet? Sollte man eins der beliebtesten Reiseländer in Europa in Zukunft besser meiden? Ist Schweden als Reiseland tatsächlich unsicher? Wir meinen nein, sofern man eine gewisse Umsicht und einige Vorsichtsmaßnahmen beherzigt. Damit sind wir in den letzten Jahren eigentlich immer »gut gefahren« und das nicht nur in Schweden.

Ist Schweden als Reiseland unsicher

Was tun wir, um uns vor Einbrüchen zu schützen?

Bei der Wahl des Park- oder Übernachtungsplatz gehen wir besonnen vor. Autobahnraststätten, Parkplätze direkt in Autobahnnähe, große Supermarkplätze, öffentliche Parkplätze am Straßenrand, an einem beliebten Strand oder Ausflugsziel meiden wir, da sie für Diebe lukrative Ziele sind. Für die Nacht suchen wir uns lieber einen offiziellen Camping- oder Stellplatz oder einen Ort abseits von viel befahrenen Durchgangsstraßen. Ein Platz irgendwo im Nirgendwo hat für Langfinger meist wenig Anziehungskraft, weil für sie eine Örtlichkeit lohnender ist, wo sie gleich mehrere Wohnmobile, in denen etwas zu holen ist, vorfinden.

Außerdem bei der Platzauswahl wichtig: unser Bauchgefühl. Sollte nur einer von uns bei einem Übernachtungsplatz ein mulmiges Gefühl haben, fahren wir weiter. Zum Beispiel sind für uns Plätze ein No-Go, zu denen man auf einer schmalen, nicht einsehbaren Zufahrt wie durch einen Flaschenhals fährt und dann auf einem engen Gelände ohne sichere Wendemöglichkeit landet. Sollten dort mitten in der Nacht unliebsame Besucher auftauchen und einem den Fluchtweg versperren, kann es schnell brenzlig werden. Das Risiko möchten wir nicht eingehen, selbst wenn der Platz in den einschlägigen Apps hochgepriesen wird.

Unsere Hilfsmittel gegen Langfinger

Für den Fall, dass es doch jemand auf unser Wohnmobil abgesehen haben sollte, haben wir Maßnahmen getroffen, die Eindringlingen die Ausübung ihres unehrenhaften Metiers wesentlich erschweren.
So haben wir gleich nach dem Kauf unseres Wohnmobils eine professionelle Funk-Alarmanlage, die WiPro III von Thitronik installiert. Ein durch die Frontscheibe sichtbares rot blinkendes Lämpchen und Hinweisschilder an Fenster, Türen bezeugen dies. Sollte doch jemand versuchen einzudringen, ertönt ein sehr lautes akustisches Signal, das wohl die meisten Besucher mit unliebsamen Absichten davon abhält, sich weiter am Wohnmobil zu schaffen zu machen. Vor allem wenn noch andere (bewohnte) Fahrzeuge in direkter Nähe stehen.
Da es geübten Langfingern in kürzester Zeit und nahezu geräuschlos gelingt, die Dreiecksfenster im Fahrerhaus aufzuhebeln und im Anschluss die Fahrer-/Beifahrertür zu entriegeln, haben wir zusätzlich zu unserem Alarmsystem von innen abschließbare HEOSafe Riegelschlösser eingebaut. Die sind effektiver als eine zwischen beiden Vordertüren gespannte Kette oder ein Spanngurt, weil sie die Sitze nicht blockieren und wir im Notfall einen Schnellstart hinlegen können.

Immer auf unseren Reisen mit dabei: unsere »Alarmanlage« auf vier beziehungsweise acht Pfoten. Unsere beiden Hunde sind zwar im Allgemeinen friedliche Familienhunde, mögen es aber gar nicht, wenn fremde Gäste ungebeten in »ihr« Wohnmobil kommen. Lautes Gebelle und gefletschte Zähne sind für Langfinger meist überzeugende Argumente, besser das Weite zu suchen.

Unsere beiden Hunde am Strand

Ansonsten lassen wir den normalen gesunden Menschenverstand walten. Es versteht sich von selbst, dass wir (wie vom Auswärtigen Amt empfohlen) Bargeld, Ausweise, Führerschein und andere wichtige Dokumente sicher und getrennt aufbewahren. Wir empfehlen zum Beispiel die Sicherung in einem speziellen Campingsafe. Bei unserem Dethleffs Grand Alpa plus haben wir den Vorteil, dass wir die Schiebetür zwischen dem Wohnraum und der Fahrgastzelle verriegeln können und dass die Wohnraumfenster so hoch sind, dass man ohne Leiter kaum hereinschauen kann. Trotzdem lassen wir keine Taschen, Wertgegenstände wie Fotoapparat, Laptop, Handy etc. während unserer Abwesenheit oder nachts offen sichtbar liegen. Wenn wir länger stehen oder übernachten, ist das Lenkrad durch eine Lenkradkralle gesichert.

Wie waren unsere aktuellen Erfahrungen in Schweden? Finden wir Schweden als Reiseland unsicher?

Ich hatte es eingangs ja schon erwähnt, wir haben uns in Schweden keinen einzigen Tag beziehungsweise keine einzige Nacht unsicher gefühlt. Egal, ob wir alleine im Wald, auf einem abgelegenen Stellplatz am See oder Meer oder auch in Stadtnähe gestanden haben. So haben wir mehrere Nächte in Ystad auf dem Parkplatz am Fährhafen verbracht, wo Wohnmobile gegen eine geringe Gebühr ausdrücklich erlaubt sind. Ein Ort, den so mancher lediglich für eine Stadtbesichtigung wählt, dann aber weiterfährt. Wir sind geblieben, weil wir erstens gerne »Schiffe gucken« und wir uns zweitens dort sehr sicher gefühlt haben. Der Platz war in der Nacht hell beleuchtet und die Polizei fuhr regelmäßig Streife (Wallander lässt grüßen!). Ich habe mich als Frau sogar nicht gescheut, um Mitternacht dort noch eine kurze letzte Gassirunde mit den Hunden zu drehen. Was ich mich nicht überall getraue, aber in Ystad am Hafen und auch auf dem Stellplatz am Strand kurz vor dem Ortseingang war das für mich auch wegen der guten Beleuchtung okay.

Wohnmobilstellplatz Hafen Ystad

Tipps für Fährrückfahrt von Malmö

Noch ein Tipp für die Rückfahrt mit der Fähre von Malmö aus. In den letzten Jahren haben wir uns bewusst für die Fährüberfahrten mit Finnlines entschieden. Zum einen, weil uns die großen Haustierkabinen gefallen und man für die neunstündige Überfahrt eine Stromversorgung fürs Wohnmobil dazu buchen kann. Zum anderen, weil man mit dem Camper direkt vor dem Check-in-Terminal von Finnlines übernachten darf. Sobald die Nachtfähre abgelegt hat (also gegen 22 Uhr), darf man sich auf die rechte Fahrspur zum Check-in stellen und dort nächtigen. Praktisch, weil man am Morgen keine Fahrzeit zum Terminal einkalkulieren muss. Für uns wichtiger ist jedoch, dass es am Fährterminal einen Sicherheitsdienst gibt, der nachts regelmäßig nach dem Rechten schaut. Außerdem ist dort alles hell erleuchtet. Malmö ist leider einer dieser schwedischen Orte, in denen öfter in Pkws und Campingfahrzeuge eingebrochen wird. Auf einem ungesicherten Stellplatz zu übernachten, würden wir uns rund um Malmö (oder auch Trelleborg) nicht trauen.

Ist Schweden als Reiseland unsicher

Unser Fazit – Ist Schweden als Reiseland unsicher?

Unser Fazit: Schweden ist ein tolles Reiseland mit abwechslungsreichen Landschaften, Küstenregionen und Städten und einer für Wohnmobile ausgezeichneten Infrastruktur. Wie auch in anderen europäischen Ländern kann es dort zu Einbrüchen kommen. Deshalb sollte man gewisse Vorsichtsmaßnahmen walten lassen, die es Langfingern schwer machen, sich am eigenen Hab und Gut zu vergreifen.
Die Sicherheitshinweise des Auswärtigen Amtes sind sinnvoll und berechtigt, auch um vor Urlaubsbeginn die Sensibilität gegenüber dem Thema zu erhöhen. Anders als in einigen medialen Berichten behauptet wird, hat das Auswärtige Amt bis jetzt jedoch keine Reisewarnung ausgesprochen, rät also vor Reisen nach Schweden nicht explizit ab.
Sollte sich die Situation in Schweden nicht dramatisch verändern, werden wir uns nicht davon abhalten lassen, demnächst wieder einen Schwedenurlaub zu planen. Bangemachen gilt nicht, ist unsere Devise! Der teilweise irreführenden oder schlichtweg falschen Berichterstattung in einigen Medien beziehungsweise auf Social-Media-Kanälen setzen wir eine differenziertere Sichtweise entgegen. »Sex sells« ist eine alte Binsenweisheit. Das Geschäft mit der Angst mag auch für gute Verkaufszahlen bei entsprechendem Wohnmobilzubehör und jede Menge Klicks bei Facebook & Co. sorgen. Wer sich vor der nächsten Schwedenreise verlässlich informieren möchte, sollte dies allerdings besser bei seriösen Quellen tun.


Hier der Link zu den Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes für Schweden.

P.S.: Wir möchten hier noch einmal betonen, dass wir in diesem Artikel und zu der Frage, ob Schweden als Reiseland unsicher oder sicher ist, unsere ganz persönliche Meinung und Einschätzung der Sachlage zum Ausdruck bringen. Jeder, der nach Schweden reist, sollte selbst entscheiden, wie er mit den gegenwärtigen Sicherheitshinweisen des Auswärtigen Amtes umgeht und welche Maßnahmen er treffen wird.

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